Leseprobe

MS_swKomfortzone

Wir sitzen am Fenster
und wetzen das Messer,
wir sehen Gespenster
und wissen es besser,
real, fiktional,
viral, digital,
der Fall ist egal,
Empörung total.

Wir haben ’ne Meinung,
auch ohne Ahnung,
wir haben ’ne Neigung
zur lautstarken Warnung.
Was klar ist
und da ist,
ist das, was uns nah ist –
und dann plötzlich wahr ist.

Wir hätten und wären,
wir könnten und würden.
Uns hemmt das Begehren,
schuld sind die Hürden:
das Haus und die Arbeit,
der Urlaub, die Freizeit,
die Wahl und die Freiheit,
das Geld und die Geilheit.

Wir fühlen uns prächtig
als Opfer am Rande,
der Rest ist verdächtig
als herrschende Bande.
Wir spinnen uns ein,
wir lieben klein-klein,
die Welt ist gemein –
und so soll es sein.